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Interview: Darum sollten Kommunen bei der Gestaltung der Homepage professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

Die Anzahl der Hackerangriffe auf Webseiten nimmt zu. Immer wieder müssen sich auch Gemeinden mit verschiedenen Arten von Angriffen auseinandersetzen. Ralph Seeberger ist neben Uwe Einspanier einer der beiden Geschäftsführer der regiogate GmbH, die sowohl Webseiten als auch Shops gestaltet. Im Interview gibt der 45-Jährige Tipps und Ratschläge, was Kommunen bei der Umsetzung Ihrer Homepage beachten sollten.

Herr Seeberger, auf welche Dinge sollte eine Kommune bei der Gestaltung ihrer Homepage vor allem achten?

Ralph Seeberger: Die Aktualität auf der Webseite spielt natürlich eine große Rolle, denn die Homepage ist das öffentliche Aushängeschild einer Gemeinde. Zudem ist es heutzutage „State of the Art“, dass eine Seite für mobile Endgeräte optimiert ist. Der Markt wurde von Smartphones und Tablets überschwemmt. Die Art und Weise, Inhalte zu konsumieren, hat sich grundlegend verändert. Da ist es ernüchternd, wenn man auf eine Seite kommt, die sich für die mobilen Endgeräte nicht automatisch anpasst und kein sogenanntes Responsive Design aufweist.

Ist den Gemeinden die Bedeutung der Webseite bewusst?

Oftmals wird der Homepage nicht der nötige Stellenwert beigemessen und die Gestaltung nicht in professionelle Hände gegeben. Wenn es darum geht, den Ort schöner zu machen, wird sehr viel investiert. Man arbeitet beispielsweise mit renommierten Architekturbüros zusammen, wenn der Dorfplatz erneuert wird. Aus meiner Sicht sollte es die logische Konsequenz sein, dass man beim Thema Internet ebenfalls mit Profis zusammenarbeitet.

Welche Rolle spielt allgemein ein Content-Management-System (CMS)?

Ralph Seeberger: Es ist das Werkzeug, mit dem man alle Inhalte auf der Webseite pflegt. Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung können mit einem CMS eigenständig Informationen veröffentlichen, Bilder oder Downloads hinterlegen sowie Veranstaltungen ankündigen. Wichtig ist, dass das verwendete System den aktuellen technischen Standards entspricht und sich an den Bedürfnissen moderner Kommunen orientiert. Am Markt gibt es entsprechende Fachanbieter, wie zum Beispiele unsere Firma. Viele Gemeinden setzen bei der Pflege Ihrer Website alternativ auf eine sogenannte Open Source Software. Das ist grundsätzlich okay, wenn das System dementsprechend sauber und sicher gepflegt wird. Aber häufig wird beim Einrichten einer Homepage der Kosten-Nutzen-Aspekt selten berücksichtigt: Die initiale Erstellung der Website muss möglichst günstig erfolgen, laufende Aktualisierungen, Pflege oder Wartung des Systems werden darüber hinaus komplett vernachlässigt.

Was ist dabei das größte Problem?

Viele Verantwortliche vergessen, dass das auch die verwendete CMS-Software ähnlich einer Software auf dem lokalen PC regelmäßig aktualisiert werden muss. Oftmals weisen Seiten aufgrund unsachgemäß installierter Komponenten oder mangels Wartung bereits nach kurzer Zeit eklatante Sicherheitslücken auf, wodurch sie oft unbemerkt Angriffsflächen für Hacker bieten.

Warum sind Daten für die Hacker so interessant?

Ralph Seeberger: Oft handelt es sich um keinen gezielten Angriff auf eine bestimmte Gemeinde. Es geht meist nicht darum, eine gewisse Organisation zu schädigen. Man versucht stattdessen, eine Seite zu attackieren und dort einen Schadcode zu hinterlegen. Dieser wird dazu genutzt, um einen Virus weiterzuverbreiten oder Spams zu verschicken.

Eine Fachfirma im Hintergrund zu haben, ist aber die sicherste Variante, oder?

Ralph Seeberger: Es ist definitiv ratsam, das Ganze auf professionelle Füße zu stellen. Ein Hackerangriff wirkt sich neben dem finanziellen Schaden auch negativ auf die Reputation der Gemeinde aus. Hier gab es in der Vergangenheit auch in der Region Mainfranken schon entsprechende Fälle. Oftmals werden auch keine Backups gemacht, wodurch alle Daten verloren gehen können. Deshalb sollte man hier von Beginn an mehr investieren. Die Internetseite muss nach einem Angriff häufig von Grund auf neu aufgesetzt werden. Das ist ein wahnsinniger und kostspieliger Arbeitsaufwand.

Vielen Dank für das Gespräch!

Bild: Ralph Seeberger rechts, Uwe Einpanier links

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Franz-Reinhard Habbel Sprecher des Deutsche Städte- und Gemeindebundes (DSTGB) im Interview

Franz-Reinhard Habbel hat sich dankenswerter Weise für ein kurzes Interview per Email zur Verfügung gestellt.

Können Sie kurz Ihre Tätigkeit für den DSTGB umreißen?

Ich arbeite neben meiner Arbeit als Sprecher an politischen Grundsatzfragen, die Kommunen besonders herausfordern. Dazu gehören insbesondere die Digitalisierung und Globalisierung sowie der demographische Wandel. Kommunikation spielt bei meiner Arbeit die Hauptrolle. Zuzuhören und die Auseinandersetzung mit der Lebenswelt sind zwei weitere Merkmale.

Wie sehen Sie das Feld Öffentlichkeitarbeit bei Kommunen, wird hier genug getan?

Anstelle von Öffentlichkeitsarbeit würde ich lieber von Kommunikation im umfassenden Sinne sprechen. Bürger und Verwaltung befinden sich im gleichen politischen Raum. Dialog und Diskurs ist die Essenz von Politik. Gerade vor dem Hintergrund des Internets und der sozialen Netzwerke hat Kommunikation enorm an Bedeutung gewonnen. Jede Verwaltung muss sich fragen, ob sie genügend kommuniziert beziehungsweise die richtigen Instrumente einsetzt.

Wie setzen Kommunen Medien- / Presse- / Öffentlichkeitsarbeit ein?

Kommunikation ist bei allen Politikfeldern wie Mobilität, Bildung, Energie, Sicherheit und Gesundheit notwendig. Kommunen sollten hier auf einen Medienmix von Text, Bild und Ton setzen. Entscheidend ist es aber, wie die Inhalte verständlich präsentiert werden. Eine Berichterstattung zum Beispiel bei größeren Projekten, die auf reine Fakten beruht, reicht nicht aus. Notwendig ist eine multimediale Darstellung im Erzählstil, die verständlich macht was geplant ist beziehungsweise die das Ziel beschreibt. Ja, es ist eine Art des Schreibens von Geschichten. Je besser das Verständnis der Empfänger, desto weniger Irritationen gibt.

Wie hat sich das Feld hier gewandelt?

Schaut man sich verschiedene Websites der Kommunen an, sieht man, dass diese auf dem richtigen Weg sind. Auch Open-Data ist ein Teil von moderner Öffentlichkeitsarbeit. Bürger und Organisationen können so auf Datenbestände der Kommunen maschinenlesbar zugreifen und mit ihnen arbeiten, um zum Beispiel alternative Pläne zu erstellen.

Haben Sie Best Practice Beispiele für uns?

Das fängt bei der Stadt Coburg an geht über die Städte Ludwigshafen, Arnsberg bis Hamburg und viele andere mehr.

Wie wichtig ist der Medienmix bei der kommunalen Öffentlichkeitsarbeit?

In wenigen Jahren wird keine Stadt oder Gemeinde mehr an diesem Thema vorbeikommen. Die Videokommunikation wird rasant zunehmen. Immer mehr Bürger erwarten auch von ihrer Verwaltung eine multimediale Darstellung. Etwas Interessantes passiert gerade in der Stadt Idar-Oberstein. Dort wurde von Jugendlichen ein Rap-Video mit Guy-Fawkes-Masken gedreht und auf soziale Probleme bzw. auf die angebliche Perspektiv- und Trostlosigkeit des Ortes hingewiesen. Der Oberbürgermeister begrüßte die Aktivitäten der Jugendlichen. Auf seine Anregung hin soll jetzt ein weitere Video mit dem Titel „Gemeinsam für unsere Stadt“ gedreht werden. Gerade junge Leute müssen heute anders angesprochen werden. Viele von ihnen lesen eben keine Lokalzeitungen mehr.

Hat Print eine Chance hier zu bestehen oder ist Print auf dem absteigenden Ast?

Print hat auch weiterhin eine Chance und bleibt Teil der Medienarbeit der Kommunen. Aber sie verliert an Dominanz. Print bleibt ein Teil der Medienlandschaft. Print wird zielgenauer eingesetzt werden und auf Hintergrundinformationen im Netz verweisen. Allerdings wird der Produktionsprozess weitgehend digital ablaufen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, die alle Kommunen erfüllen müssten, was wäre Ihr Wunsch?

Müssen ist der falsche Ansatz. Ich würde mich freuen, wenn immer mehr Kommunen den hohen Stellenwert von Kommunikation erkennen und ihre Verwaltung entsprechend darauf ausrichten würden. Es sollte darüber nachgedacht werden Dezernate für Kommunikation zu bilden die alle Bereiche von der Bürgerbeteiligung über die Pressearbeit bis hin zum Internetauftritt umfasst.

Woran arbeiten Sie selbst gerade?

Ich arbeite unter anderem an der Frage wie mit der Digitalisierung die Flüchtlingshilfe gestärkt werden kann.

 

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Best Practice blog Interviews

Bloggen: Eine neue Kommunikationsform für Ihre Gemeinde

Blogs bieten Gemeinden und Städten eine ausgezeichnete Möglichkeit, den Bewohnern wichtige Informationen mitzuteilen und sie stets mit aktuellen Nachrichten zu versorgen. Daher sind Blogs ein perfektes Instrument für Kommunen, mit ihren Bürgern einen Dialog zu führen und sich transparent zu zeigen. Dem Content der Beiträge, also der redaktionelle Inhalt, kommt dabei eine große Bedeutung zu. Je informativer und interessanter, desto größer ist der Mehrwert für die Bürger und desto häufiger werden sie diesen Blog nutzen.

Vor dem Start des Blogs sollte die Gemeinde unbedingt festlegen, welche Ziele sie damit verfolgt und welche Inhalte den Lesern angeboten werden sollen. Davon abhängig ist auch die Themenauswahl. Wichtig ist es, den Blog regelmäßig mit aktuellen Beiträgen zu bereichern, die den Interessen der Leute entsprechen.

Als Mitarbeiter der Kommune stellt man sich nun die Frage: Wie finde ich wo attraktive Themen? Hier dient logischerweise der eigene Ort als erste Quelle für ihre Artikel. Darüber hinaus können Informationen von anderen Gemeinden, Newsletter aus Verbänden & Unternehmen, Fachmagazinen und Tageszeitungen bezogen werden.

Themen können hierbei unter anderem sein:

  • Neuigkeiten aus der eigenen Gemeinde
  • Gespräche und Interviews mit Gemeinderatsmitgliedern oder Bürgern
  • Projektbeschreibungen
  • Hinweise auf Veranstaltungen
  • News aus anderen Kommunen

Die Artikel können im Blog unter anderem in Form von Berichten, Sachinformationen, Kurznachrichten, Bildern, Videos, Podcasts oder Webinaren dargestellt werden. Eine interessante Mischung sorgt für Abwechslung und macht den Blog lebendig. Ein gut geführter Blog erleichtert der Gemeinde bzw. Stadt, bei den Bewohnern Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Sie bietet damit einen Einblick in das Innenleben der Kommune und kann auf diese Weise auch Bürger zur Teilnahme am Gemeindeleben motivieren. Zugezogene Personen können sich mithilfe eines Blogs über ihren neuen Ort informieren und sich ein Bild machen, was sie im neuen Umfeld erwartet.

Besserer „Draht“ zwischen Gemeinde und Bürgern

Die Gemeinde bzw. Stadt ist daher aufgefordert, sich den Bürgern auf sympathische Weise und nachhaltig zu öffnen. Das macht die Kommune authentisch. Dies hat wiederum Einfluss auf das Image der Gemeinde in der Öffentlichkeit, zudem wird die Interaktion zwischen ihr und den Bürgern gefördert. Auch mithilfe der sozialen Netzwerke können die Artikel auf den Blog vertrieben werden. So bleiben die Bürger stets auf dem neuesten Stand, was in ihrer unmittelbaren Umgebung los ist. Und die Gemeinde sorgt dafür, dass bei den Bewohnern weniger Unklarheiten über gewisse Projekte herrschen. Sie vermeidet so, dass unnötige Gerüchte in die Welt gesetzt werden.

Zwei gute Beispiele zeigen Ihnen, wie Sie als Mitarbeiter Ihrer Kommune einen lebendigen Blog betreiben können:

Vagen mit seinen etwa 1600 Einwohnern liegt im oberbayerischen Mangfalltal und ist ein Ortsteil der Gemeinde Feldkirchen-Westerham. Vagen betreibt seit April 2013 eine Webseite mit einem Weblog. Um aktuelle Neuigkeiten für den Weblog kümmern sich ehrenamtlich drei Mitarbeiter, einer davon ist Oliver Lorch. Für ihn und seine Kollegen sei es zunächst ein „hartes Stück Arbeit“ gewesen, „die Vereine dazu zu bringen, ihre Artikel zum einen überhaupt zur Verfügung zu stellen und andererseits nicht nur an die Zeitung, sondern auch an Vagen.de zu schicken.“

Inzwischen hat sich der Weblog der Gemeinde gut entwickelt, täglich besuchen derzeit zwischen 100 und 180 Leser die Webseite. Im Sommer seien es zwischen 200 und 250. „Mit aktuellen Berichten, einem vollständigen Terminkalender und der Hilfe und dem Zuspruch von einflussreichen Vereinsmitgliedern ist es uns gelungen, die Seite zu einer der wichtigsten Informationsquellen für die Bürger zu machen“, schildert Lorch, der mit seinen Kollegen Walter Rösel und Peter Ulitz den Weblog fast jeden Tag aktuell hält – „auch mit freundlicher Unterstützung der lokalen Presse“, so Lorch. Er weiß aus verschiedenen Aussagen von Bürgern und Vereinsmitgliedern, dass der Weblog von den Einwohnern in Vagen gut angenommen wird.

Wilfried Schober: „Vagen ist eine Vorzeigegemeinde in Sachen Weblog“

Der Nutzen des Weblogs für die Gemeinde und Bürger? Der Ehrenamtlich Tätige zählt gleich mehrere Argumente auf: Das sind zum einen die „schnelle Information zu allen Aktivitäten im Dorf, besonders den Vereinsaktivitäten. Die Dorfschreiberin berichtet direkt an uns, ebenso die Pressewarte der Vereine. Dann bieten wir Informationen über Tätigkeit des Ortsrates, der Ortsrat schickt Protokolle und öffentliche Einladungen direkt an uns zur Veröffentlichung. Zudem gibt es einen vollständigen Terminkalender aller Vereine und der meisten sozialen und kirchlichen Organisationen“, schildert Oliver Lorch. Das ist noch nicht alles: Eine Verknüpfung mit den Vereinswebseiten, darunter den Obst- und Gartenbau Verein, Freiwillige Feuerwehr, Trachtenverein, Faschingsgilde, Wintersportverein gewährleistet den einfachen Zugang zu weiteren Informationen aus Vagen. „Besondere Events oder Informationen werden bei Bedarf prominent platziert“, meint der Weblog-Mitarbeiter. Ganz wichtig für ihn: „Es gibt schnelle Reaktionsmöglichkeiten, da wir keine bürokratischen Hemmschwellen haben“, sagt Oliver Lorch, der für sich einen weiteren Trumpf ausgemacht hat: Sein Team gewährleiste „ehrliche Berichterstattung ohne politischen Einfluss“.

Wilfried Schober, Pressesprecher des Bayerischen Gemeindetags, ist voll des Lobes über das Engagement der drei Mitarbeiter. Er hält Vagen für eine „Vorzeigegemeinde“, wenn es um den Weblog geht. „So was habe ich noch nicht gesehen“, sagt er. Wilfried Schober muss es wissen: Etwa 2600 Mitglieder zählt der Bayerische Gemeindetag, darunter sind exakt 2026 Gemeinden und Städte sowie Zweckverbände, Verwaltungsgemeinschaften und kommunale Unternehmen. Im Schnitt etwa 5000 Einwohner hat eine Gemeinde in Bayern. „Der Weblog von Vagen ist super und sehr gut. Die drei Kollegen machen das professionell und mit Herz. Ein solcher Weblog fördert den Zusammenhalt der Bürger, was ich sehr begrüße“, sagt der Pressesprecher.