Was kann eine Landesgartenschau, was ein Stadtwald nicht kann?

Das fragt sich sicherlich der ein oder andere Schweinfurter Bürger, der am 20.1.2019 mit der Frage „Stadtwald oder Landesgartenschau“ konfrontiert ist.

Um das zu erklären muss ich leider etwas ausholen. Neben der Mobilitätswende ist die Digitalisierung ein Thema, dem wir im Schweinfurter Land gerecht werden müssen, um für qualifizierte Fachkräfte und innovative Unternehmen attraktiv zu sein und zu bleiben. Und genau hierfür bietet die Landesgartenschau (LGS) hervorragende Möglichkeiten.

Jetzt fragt Ihr Euch sicher, was eine Landesgartenschau bei uns in Schweinfurt mit Digitalisierung zu tun hat?

Auf den ersten, Blick nicht so viel, auf den zweiten aber umso mehr…

Immer wieder bin ich (als ehemaliges Mitglied des Bundesvorstandes der Wirtschaftsjunioren mit dem vollmundigen Ressort: Innovationen & Ressourcen und als Berater) mit Anfragen von Unternehmen konfrontiert, die sich fragen was Digitalisierung eigentlich für sie bedeutet und wie sie sich darauf vorbereiten können.

Hierbei gilt es zunächst zu hinterfragen, ob das jeweilige Geschäftsmodell weiterhin funktioniert, ob es angepasst werden kann oder ob man sich als Unternehmen neu erfinden muss. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Thema Digitalisierung auch in den Unternehmen selbst zu spielen. Wie lassen sich Geschäftsprozesse optimieren, digitalisieren und beschleunigen. Dabei aber nie das schöne Zitat von Telefónica CEO Thorsten Dirks vergessen: „Wenn Sie einen Scheissprozess digitalisieren, haben Sie einen digitalen Scheissprozess“.

Nun fehlt Unternehmen hierfür oft die Kompetenz, woraus sich ein gewisses Risiko für unseren Wirtschaftsstandort ergibt. Klar ist vielen lediglich: Die Digitalisierung ist bereits in vollem Gange und nahezu alle Wirtschaftsbereiche sind betroffen.

Ja ja, Kennen wir, haben wir alles schonmal gehört, aber wie betrifft das nun Schweinfurt und vor allem die Landesgartenschau?

Punkt 1: Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (FHWS) hat vom Freistaat Bayern gerade erst ein Robotikzentrum mit sechs Forschungsprofessuren bewilligt bekommen, das in der Nähe des neuen i-Campus für internationale Studierende auf dem Gelände der ehemaligen Ledward-Barracks entstehen soll. Hier geht es darum Kompetenzen im Bereich Künstliche Intelligenz zu entwickeln. Gleichzeitig erhält die FHWS die Federführung des bayernweiten Kompetenznetzwerkes für künstliche Intelligenz und Robotik (KAIRO).

Punkt 2: Im Auftrag der Stadt Schweinfurt hat das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) ein Konzept für die i-Factory entwickelt. Die i-Factory ist ein Technologie-Transferzentrum, das eng verbunden mit der FHWS, regionale Unternehmen unterstützen soll digitale Herausforderungen zu meistern.

Wie man so hört, wäre das Fraunhofer IPA sogar bereit die i-Factory am Standort Schweinfurt selbst aufzubauen.

Jetzt sagt Ihr: Das sind doch top Voraussetzungen das Thema Digitalisierung in Schweinfurt zu spielen!

Im Prinzip schon. Wir haben am Standort Schweinfurt eine enorme Wissensbasis in Griffweite, die unseren kleinen und mittelständischen Unternehmen entscheidend bei digitalen Herausforderungen unterstützen könnte. Das Ganze könnte zudem dazu beitragen national wie international die dringend benötigten Studierenden und Fachkräfte nach Schweinfurt zu locken und unseren Wirtschaftsstandort so langfristig zu sichern.

Aber: Im Stadtgebiet fehlt ein Ort, an dem all diese Einrichtungen angesiedelt werden können, ein attraktives Areal für den i-Campus, das Robotikzentrum, die i-Factory und weitere Einrichtungen, die auf Basis dieser Institute zu erwarten sind.

Nun möchte die Stadt Schweinfurt die ehemaligen Ledward-Baracks genau hierfür entwickeln, entlang der neuen Carus Allee, in Verlängerung des vom Freistaat bereits erworbenen i-Campus Areals.

Mit der Umsetzung der LGS 2026 könnte man dabei prima mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Eine tolle LGS ausrichten und hierbei einen langfristig nutzbaren, attraktiven Bürgerpark mit Campusfunktion anlegen. Faktisch errichtet man hier mit Unterstützung von einer schönen Portion Fördermitteln des Freistaates einen neuen Stadtteil.

Selbst, wenn die Stadt mit dem isoliert betrachteten LGS Haushalt am Ende mit einem Verlust dastehen sollte – viele der Investitionen, die da getätigt werden, würden in Betriebe aus Schweinfurt und Umgebung gehen, so dass das investierte Geld zu einem nicht unerheblichen Teil dem, Wirtschaftsstandort zu Gute kommt.

Auch in Würzburg, Bamberg und anderswo hat man mit Hilfe der LGS Konversionsareale zukunftsfähig gemacht. Die ausrichtenden Städte wären bei einer solchen Entwicklung ohne die staatliche Förderung durch eine Landesgartenschau bestimmt an ihre Grenzen geraten.

Auch hier gilt: Es gibt für die Komplexität aktueller Herausforderungen kaum einfache Lösungen. Man kann aber kreativ sein und langfristig denken.

Für mich ist klar: Ich stimme am 20.1. für die Landesgartenschau.

 

 

 

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Vertane Chancen auf der Strecke zwischen Steigerwald und Rhön

Als Mitglied im Landes- und Bundesvorstand der Wirtschaftsjunioren bin ich in den letzten Jahren viel herumgekommen. Wenn ich irgendwohin muss läuft das meist so ab: Ich zücke mein iPhone, starte die Maps App meines Vertrauens, suche mir die beste Möglichkeit an mein Ziel zu kommen und los geht‘s. Meist klappt das recht gut. In infrastrukturell gut ausgebauten Regionen lande ich oft bei einer Kombination aus Laufen, Bus und vor allem der S- oder U-Bahn. Unterwegs kann ich jederzeit Stopps oder Umwege einlegen, Route in der App anpassen, fertig. Digital gesteuerte Mobilität funktioniert bei guten Verkehrsangeboten spontan, schnell, entspannt, flexibel ohne lange Planerei und nervige Staus. Auch in ländlichen Räumen. Dort wo man sein Ticket digital lösen kann geht es kaum besser.

Daheim im schönen Schweinfurter Land bleibt mir neben dem Fußweg praktisch nur das Auto. Mit allen damit verbundenen Nachteilen: Die Fahrerei frisst meine Zeit. Ich muss mich auf den Verkehr konzentrieren und kann nebenher nichts machen, muss mich über nervige Staus, Baustellen und die Parkplatzsuche ärgern. Außerdem habe ich die Fixkosten für den PKW an der Backe.

Warum ist das bei uns zwischen Steigerwald, Haßbergen, Rhön und Spessart eigentlich so?

Keine Frage, für die flexible, moderne, digital gesteuerte Mobilität benötigt man entsprechende Angebote. Da gibt’s bei uns neben dem eigenen Auto praktisch nur den Schweinfurter ÖPNV in Form des Stadtbusses und die damit nicht so richtig abgestimmten Landkreisbuslinien. Die Busfahrten sind bei uns konkurrenzlos billig, die Linienführung, die Fahrpläne und die Taktung sind aber auch ausbaufähig. Überhaupt ist der Bus bei uns gefühlt eher das Transportmittel für alle die keine Alternative dazu haben oder für Mobilitäts-Idealisten. Vielleicht ist das so weil der Busverkehr bei uns seit jeher kostenoptimiert abgebildet wird. In Schweinfurt waren wir jahrelang stolz darauf, die vergleichsweise niedrigsten Ausgaben für den ÖPNV zu haben. Hier bei uns kann mir mein digitaler Routenplaner mangels Möglichkeiten meist wenig Erbauliches anbieten.

Qualität hat eben ihren Preis. Nicht umsonst zählen eine gute Verkehrsinfrastruktur und ein attraktives Nahverkehrsangebot bundesweit zu den wichtigen Standortfaktoren für Fachkräfte und innovative Wirtschaftsunternehmen.

Erfreut habe ich mitbekommen, dass der Landkreis Schweinfurt gerade ein Mobilitätskonzept erstellt, in dem der moderne Nahverkehr eine wichtige Rolle spielt. Anscheinend sollen die Busse im Landkreis nun mit den Stadtbussen abgestimmt werden. Die Anzahl der Linien soll zwar etwas ausgedünnt werden, aber die verbleibenden Linien sollen dafür häufiger und regelmäßiger fahren. Um all dies zu ermöglichen nimmt der Landkreis eine Menge zusätzliches Geld in die Hand und bald soll auch eine Abstimmung mit den Angeboten der umliegenden Landkreise in einem neuen Verkehrsverbund Mainfranken erfolgen. Das klingt nach deutlicher Verbesserung. Erfahrungsgemäß folgt auf ein gutes Angebot auch die entsprechende Nachfrage. Das dürfte selbst bei uns so sein.

Wenn ich mir dann aber die Diskussion um die Eisenbahnlinie Schweinfurt – Gerolzhofen anschaue wird mir Angst und Bange. Offensichtich wäre der Freistaat Bayern bereit zwischen Bad Kissingen – Schweinfurt und Gerolzhofen einen Zugverkehr einzurichten, stündlich zwischen fünf Uhr früh und elf Uhr nachts. Auf seine Kosten!

Der Landkreis müsste die stauanfällige Omnibusroute zwischen Schweinfurt und Geo nicht mehr bedienen und könnte die Mittel für andere ÖPNV Zwecke einsetzen.

Klar, die stillgelegte Bahnstrecke müsste wieder in Stand gesetzt werden. Das Ganze ist nicht billig. Konkret soll das 20 – 25 Millionen Euro kosten. Das ist mächtig viel Geld. Der Knaller? Auch das würde der Freistaat finanzieren. Was dazu fehlt? Ein Kreistagsbeschluss.

Jetzt fragt Ihr Euch: Was gibt es da noch zu überlegen?

Die Gemeinden entlang der Strecke sind dagegen. Das vermeintliche Problem: Die schon ewig bestehende Trasse stört die Innenentwicklung der Orte. Die Kommunen wollen nun die schmale Trasse kaufen und als Entwicklungsfläche nutzen um die Gemeinden in die Zukunft zu führen. Den bestehenden Gutachten, die ein hohes Fahrgästepotenzial für die Strecke ermittelt haben, glaubt man nicht, obwohl sie von anerkannten deutschen Experten erstellt wurden.

Der Knackpunkt: Der Freistaat Bayern legt seinen Entscheidungen von Rechts wegen ausschließlich die offiziellen Berechnungen seiner eigenen Fachleute von der zuständigen Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) zu Grunde. Macht ja auch Sinn. Immerhin geht es hier um richtig viel Geld. Man hört aber die Experten der Staatsregierung kämen zu ähnlichen Ergebnissen wie die vorhandenen Gutachten, so sie denn offiziell angefragt würden.

Ich fasse das nochmal in einfachen Worten zusammen. Diejenigen, die uns das Geld geben würden, eine Menge Geld für die Infrastruktur in unserer Region, diejenigen sagen: „Wir würden Euch das Geld schon geben, Ihr müsstet halt fragen“.*

Sicherlich ist die Wiederbelebung der Bahntrasse für Einzelne doof, denn auf einmal rumpelt’s dann doch wieder hinter dem Haus, aber für die Entwicklung in unserer Region sollen wir jetzt 25 Millionen Fördermittel flöten gehen lassen weil eine Bahntrasse, die da schon seit anno tobak liegt auf einmal stört?

Die anderen bayerischen Landkreise werden dieses Geld sicher dankend für ihren Regionalvekehr annehmen.

Man kann seine Meinung ändern und trotzdem gut dastehen. Diese Größe beweist der Gerolzhöfer Bürgermeister Thorsten Wozniak. Wozniak hat nämlich bei genauer Betrachtung der Sachlage das hohe Potenzial für die Region erkannt und seine Position überdacht. Er plädiert nun für eine Revidierung des bislang ablehnenden Stadtratsbeschlusses. Man kann nur hoffen dass er sich mit diesem vernünftigen Ansatz durchsetzt.

Vielleicht bringt seine kluge Haltung auch andere zum Nachdenken, so dass der Kreistag am Ende den entsprechenden Antrag in München stellt.

Vertane Chancenregion Schweinfurter Land?

 

* Es gibt momentan zwei Gutachten. Ein umfängliches zur Steigerwaldbahn insgesamt (Uni Würzburg) und ein knappes von der Fa. kobra NVS GmbH, Kassel, als Teil des für den Landkreis SW erarbeiteten Mobilitätskonzeptes. Beide kommen faktisch zu den gleichen Ergebnissen.

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Ausschnitt aus dem Social Media Manager (IHK) – Blog als zentraler Content Hub

Die kurze Fabel davon warum es Sinn macht ein Blog als zentrale Plattform für Inhalte zu betreiben.

Halbwertszeit/Lebensdauer: Inhalte auf social Networks haben genau wie radioaktive Partikel eine Halbwertszeit. Die Inhalte verfallen. Wer schonmal ein Posting vom Vortag gesucht hat, weiss was ich meine. Nur als Beispiel: Der Facebook Algorithmus entscheidet für mich was ich interessant finde, somit kriege ich manche Inhalte auch einfach gar nicht eingeblendet. Je nach „Studie“ zum Algorithmus geht man von einer durchschnittlichen Lebensdauer eines Postings von ca. 2-4 Stunden aus.

Kontrolle: Die Kontrolle über meinen Blog habe ich, dort kann ich schalten und walten, dort gibt es keinen Algorithmus, der für mich entscheidet was meinen Nutzern angezeigt wird. Mein Blog ist und bleibt meine eigene Plattform.

Longform Content: Es gibt kaum Möglichkeiten längere Inhalte auf Social Networks zu veröffentlichen, die dann auch gelesen werden, sprich nicht von einem Reichweitenalgorithmus in den Untiefen der Plattform versteckt werden.

Suchmaschinenoptimierung: Gute, beständige Inhalte auf meiner eigenen Seite zahlen auf meine SEO ein. Ein OnlineShop mit einem eigenen Blog auf der gleichen Domain ist Gold wert.

Ein Blog oder vielmehr meine eigene Website als zentrale Plattform, auf die ich immer wieder verlinken kann in meinen unterschiedlichen Kanälen, ist der Kern jeder Strategie. Das entbindet einen natürlich überhaupt nicht auf den Kanälen Inhalte zu spielen, die dem jeweiligen Kanal angepasst sind.

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