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Vom netzaffinen Wahlkämpfer zum introvertierten Landrat

toepper

Im aktuellen Podcast von schweinfurtundso hatten wir Dr. Anja Weisgerber und Ralf Hofmann, beide Bundestagskandidaten für meinen Wahlkreis, zu Gast. Ein Thema, das Alexander und ich ansprachen, war das Thema „Politikverdrossenheit“.

Ich glaube, ein großer Anteil am Unmut vieler ist das Nichteinhalten von Wahlversprechen. Logisch, bei Koalitionsverhandlungen bleiben immer mal wieder Dinge auf der Strecke. Die Parteien können gar nicht wissen, dass genau dieser eine bestimmte Fakt, zum Beispiel einen Florian Kohl dazu gebracht hat genau sie zu wählen. Man wählt ja das Wahlprogramm oder die Person und nicht den einzelnen Absatz auf Seite 23.

Im Kommunalen ist das aber etwas anders, hier bleiben nicht bei Koalitionsverhandlungen Versprechen auf der Strecke. Sicherlich ist die politische Gemengelage je nach Wahlausgang auch hier so, dass sich bestimmte Pläne nicht durchdrücken lassen – geschenkt. Aber persönliche Entscheidungen, die man nur mit sich selbst auszumachen hat, die kann einem in jeglicher politischer Konstellation eigentlich keiner verbasteln.

Wen ich damals als Landrat gewählt hätte, lasse ich hier bewusst außen vor, das tut auch nichts zur Sache. Mir stößt aber etwas sauer auf und das wollte ich schon eine geraume Weile formulieren.

Wahlversprechen sind für mich nicht nur mündlich geäußerte oder schriftlich niedergelegte Dinge, ich finde man kann ein Wahlversprechen auch an der Handlungsweise einer politisch öffentlichen Person festmachen.

Was im Wahlkampf gegen den CSU-Gegner Harald Leitherer als Netzverständnis anmutete, hat sich beim neu gewählten Landrat schnell zum Schweigen auf allen Kanälen geändert. Meine Hoffnung, dass mit Florian Töpper ein junger, dynamischer „Netzversteher“ den Einzug im Landratsamt macht, hat sich nicht bewahrheitet.

Aber woher kommt das? Anfänglich war Töpper noch auf den unterschiedlichsten Kanälen aktiv. Inzwischen sind sogar die Postings auf der Facebook Fanpage eingeschlafen. Das letzte Update vom 23.7. ist einfach nur ein Link auf eine Meldung der lokalen Tageszeitung.

Seit Amtsantritt sind die Meldungen eher dünn gestreut.

Es ist halt – wie oft in der Politik – ein Wahlversprechen verliert sich schnell im Gegenwind des Tagesgeschäfts.

Irgendwo habe ich sogar Verständnis dafür, denn ganz ehrlich: Florian Töpper wäre doch auch blöd, wenn er sich als Landrat irgendwelche Angriffsflächen geben würde. Eine mit Ecken und Kanten versehene Persönlichkeit und Handlungsweise hat dem Vorgänger den Job gekostet.

Der auf der Fanpage gepriesene „Landrat für alle, offen und zuverlässig“-Claim ist um die genannte Offenheit vermindert, die ein Dialog auf Augenhöhe mit der „Netzgemeinde“ bringen würde.

Schade.

Von Florian Kohl

Florian Kohl ist Geschäftsführer beim Revista Verlag in Schweinfurt, Podcaster bei schweinfurtundso.de, Blogger bei floriankohl.de und Partner bei kunkel & kohl. Du erreichst Florian per Email unter fkohl@revista.de