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Von wegen zu klein: Ausreden gelten nicht!

Warum die Gemeindegröße bei der Öffentlichkeitsarbeit keine Rolle spielt

Immer wieder hört man als Journalist bei der Recherche nach Informationen, dass die Gemeinde „leider“ noch keine Angaben zu der geplanten Veranstaltung im Herbst machen kann. Der Verwaltungsmitarbeiter verweist darauf, dass der Bürgermeister nicht anwesend ist. Er selber könne keine Auskünfte erteilen. Zudem solle man sich einfach noch ein wenig in Geduld üben.

Schade! Nicht nur als Journalist steht man dann vor einem Problem, sondern auch als Einwohner. Denn wenn der Journalist schon nichts erfährt und die Öffentlichkeit nicht über das geplante Vorhaben der Gemeinde informieren kann, dann tun sich andere Bürger auch schwer.

Sicher ist: Nicht jede Gemeinde kann sich einen Mitarbeiter leisten, der sich insbesondere um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Meistens übernimmt die Sekretärin des Bürgermeisters oder ein ehrenamtlich Tätiger die Aufgaben, die lokalen Medien zu informieren. Entweder mangelt es am persönlichen Engagement der Gemeindeeinwohner, oder die wenigen Angestellten sind mit anderen Aufgaben beschäftigt. Oder sie trauen sich den Job des Ansprechpartners für die Medien einfach nicht zu.

Gehen Sie in die Offensive!

Eine Ausrede, die oft genutzt wird, aber nicht wirklich taugt als Argument, lautet: „Unsere Gemeinde ist zu klein für eine eigene Öffentlichkeitsarbeit“.

Ich behaupte: Nein, sie ist es nicht. Selbst eine eigenständige Gemeinde mit beispielsweise knapp 1000 Einwohnern hat aufgrund ihrer Einwohnerzahl genügend „Leben“ in sich. Das Engagement der Bürger bemisst sich doch nicht nach deren Anzahl, sondern nach deren Wunsch, sich ehrenamtlich in Vereinen oder sozialen Einrichtungen zu betätigen. Die Gemeinde steht meist in engem Kontakt mit den Vereinsverantwortlichen, oft sind die Vereinsbosse selber Mitglied im Gemeinderat. Sie haben also dann eine Doppelfunktion.

Anders ausgedrückt: Gerade weil eine kleine Gemeinde oft in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit „untergeht“, empfiehlt es sich, auf das eigene aktive „Dorfleben“ hinzuweisen. Warum sollen sich denn neue Einwohner im Ort ansiedeln, wenn man von der eigenen Gemeinde weder hört noch etwas liest? Und wie soll diese zusätzliche Gewerbeeinnahmen erlangen, wenn ein Unternehmen gar nicht weiß, dass es neue Gewerbeflächen im Ort gibt? Der neue Kindergarten kann nur dann auf Interesse bei Eltern stoßen, wenn sie davon aus der Zeitung, dem Gemeindeblatt oder den Social Media erfahren.

Großes öffentliches Interesse an „kleineren“ Kommunen und Unternehmen

Dass es auch „kleinere“ Gemeinden oder Betriebe in die großen Tageszeitungen schaffen können, zeigen folgende Beispiele. So erschien beispielsweise Ende November 2013 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ein ausführlicher Artikel über fünf Berliner Gründer, die sich mit ihrer „5 Cups some sugar GmbH“ Starbucks zum Vorbild nahmen. Und direkt neben diesem Text findet man einen Bericht über ein 14-Mann-Unternehmen aus Darmstadt, das einen neuen Ansatz gegen Blutgerinsel entwickelt hat.

Gerhard Schenkel, seit 31 Jahren Bürgermeister in Sulzfeld am Main (Landkreis Kitzingen), weiß um die Chancen der Öffentlichkeitsarbeit, die sich für seine Gemeinde ergeben. Der idyllische Weinort in Mainfranken zählt 1.400 Einwohner und gewann 2012 beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ auf bayerischer Ebene die Goldmedaille. Auf Bundesebene erreichte Sulzfeld am Main den zweiten Platz und erhielt von der Jury die Silbermedaille.

Diese Auszeichnungen haben dem Weinort viel Image eingebracht. Unabhängig davon empfiehlt der 59-jährige Bürgermeister anderen Gemeinden in ähnlicher Größenordnung, durch regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit sich Gehör zu verschaffen. „Es ist eine sehr sinnvolle und wichtige Form der Kommunikation. Die Öffentlichkeit und die Bürger über Vorhaben zu informieren ist aus meiner Sicht wesentlicher Bestandteil einer modern geführten Gemeinde“, sagt Gerhard Schenkel.

Der Grund liegt für ihn auf der Hand: „Wir wollen ja unsere Bürger bei Entscheidungen mit ins Boot nehmen und wünschen uns grundsätzlich mehr Bürgerbeteiligung bei jenen Entwicklungen, welche deren Leben unmittelbar betreffen“. Die Gemeinde Sulzfeld informiert ihre Bürger unter anderem mittels Gemeindeblatt über wichtige Anliegen und Projekte und liefert den örtlichen Medien zusätzlich Pressemitteilungen.

Foto:Maik Meid

 

 

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Die Gemeinde als Marke

3Mit dem Bürgermeister von Schonungen, Stefan Rottmann, habe ich mich kurz in seinem Bürgermeister-Büro über die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde Schonungen unterhalten.

Stefan geht neue Wege und nutzt die unterschiedlichsten Kanäle um möglichst kostengünstig seine Zielgruppen zu erreichen. Einen Auszug aus seinem Konzept findet Ihr hier als PDF zum Download: Neubürger empfangen wir mit dem roten Teppich (.pdf)

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Öffentlichkeitsarbeit als Standortfaktor

Bei den Standortfaktoren unterscheidet man gemeinhin zwischen „harten“ und „weichen“ Faktoren.

Harte sind zum Beispiel Steuern, Abgaben, Subventionen, Infrastruktur, BREITBAND usw. usf. zu den weichen zählen das Kultur- und Bildungsangebot, die Freizeitmöglichkeiten und vieles mehr.

Im Grunde beziehen sich Standortfaktoren auf die Standortwahl von Unternehmen. Warum meiner Meinung nach die Öffentlichkeitsarbeit einer Kommune auch als Standortfaktor gesehen werden sollte erläutere ich hier.

Je mehr (engagierte und informierte) Bürger eine Kommune an sich binden kann, desto höher die Steuereinnahmen, desto interessanter ist man als Standort für Unternehmen (zum Beispiel durch einen angepassten Hebesatz).

Bei manchen Kommunen ist die Öffentlichkeitsarbeit bzw. Kommunikation auch gedanklich schon als Standortfaktor angekommen. Leider nur bei einigen wenigen. Bei vielen Kommunen fehlt hier noch das Gefühl für die weitreichenden Folgen einer fehlenden oder ungenügenden Öffentlichkeitsarbeit. Das kann ein Gemeindeblatt sein in dem nichts anderes verkündet wird als die neue Friedhofssatzung und der Termin der nächsten Gemeinderatssitzung oder eine Homepage bei der sich seit dem 1.3.2000 nichts mehr inhaltlich getan hat.

Kommunen stehen miteinander im Wettbewerb. Welcher Ort, welche Gemeinde oder Stadt ist für mich als Wohnort interessant?

Eine transparent kommunizierende, präsente Gemeinde, bei der ein Bürgermeister für mich erreichbar ist oder eine Gemeinde bei der die Verwaltung in einem Elfenbeinturm ein Dekret nach dem anderen erlässt?

Fakt: Nur wer in irgendeiner Form Werbung macht dessen Produkt kennt der Verbraucher.

Fakt: Öffentlichkeitsarbeit ist Werbung, über earned Media oder eigene Kanäle.

These: Kommunen, die aktiv Öffentlichkeitsarbeit betreiben und damit Bürger und potentielle Neukunden (-bürger) informieren haben einen Standortvorteil.