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Buchrezension: Corporate Blogs – Meike Leopold

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„Ach über Weihnachten hast Du bestimmt Zeit für ein paar Buchrezensionen“. „Ein paar“, das ich nicht lache. Nicht einmal für eine Buchrezension hat es „über Weihnachten“ gelangt.

Manchmal überschätzt man seine Fähigkeit zur Selbstmotivation eben maßlos, darüber gibt es aber auch bestimmt ein paar gute Bücher.

Gutes Stichwort, gute Bücher; So eines ist nämlich das Buch über Unternehmensblogerei, neudeutsch „Corporate Blogs“ von Meike Leopold. Das Buch hat 336 Seiten und ist beim O’Reilly Verlag erschienen. Erhältlich ist, eines der neuen Referenzwerke in meinem Bücherregal, als eBook (PDF, EPUB, MOBI) und in Totholz.

Meike Leopold wird vielen keine Unbekannte sein. Sie hat das Cirquent-Blog (jetzt NTT Data) aufgebaut und betreut. Aktuell ist sie für Salesforce.de tätig und baut dort das Blog auf.

Mal angenommen man beschließt ein Corporate Blog in der Unternehmensstrategie zu verankern. Der Beschluss an sich ist ja schon ein Lob wert aber was zum Henker kommt denn dann?

Genau hier setzt Meike Leopold an. Das Buch ist quasi eine Schritt für Schritt Anleitung, wie man zu einem messbar erfolgreichen Blog kommt.

Von der Redaktionsplanung, den Verantwortlichkeiten, der zugrunde liegenden Technik, wie ein erfolgreicher Blogpost auszusehen hat bis hin zur Trollvernichtung und der effektiven Erfolgsmessung ist alles dabei.

Besonders gefallen hat mir die Fülle an kurzen, prägnanten Zusammenfassungen, Tipps & Tricks, die einfache strukturierte Umsetzbarkeit der Anregungen. Ich kann das Buch jedem empfehlen der sich mit dem Thema Corporate Blogs befasst und ich bin der festen Überzeugung, dass selbst ältere Hasen im Blogging Bereich noch den ein oder anderen Kniff oder Rat für sich herausziehen können.

Ein Probekapitel gibt’s bei oreilly.de auch: http://www.oreilly.de/catalog/unternehmensblogsger/

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Blogger Relations – Tipps & Tricks (Mein Wunschzettel)

Ein Blogger auf dem Siegertreppchen

TL;DR: Gesunder Menschenverstand ist in der Bloggeransprache ein viel unterschätztes Kulturgut.

Im einem der letzten Artikel (Zehn Gründe warum man Blogger zu seinem Event einladen sollte) hatte ich angedroht mir mal Gedanken zum Thema Blogger Relations, also an Blogger gerichtete PR und Kommunikation zu machen. Im Anschluss folgen ein paar meiner Wünsche und Anregungen.

Generell bin ich der Meinung, dass was an Grundsätzlichem bei Bloggern beachtet werden soll auch in die eigentliche Pressearbeit eines Unternehmens einfließen darf – hier krankt es bei manchen Unternehmen nämlich auch. Was nützt mir eine funktionierende Bloggeransprache wenn meine reguläre Kommunikation nach außen erfolglos und langweilig ist?

Ich gehe zum Zweck der besseren Veranschaulichung von einem geplanten Firmenevent aus. Nehmen wir also an unsere Firma „Klappstühle und mehr“ ein kleines aber feines Möbelgeschäft plant die Eröffnung des ersten Ladens in Beispielstadt.

Bevor ich überhaupt die Bloggerheerscharen einzuladen versuche – zu klären:

  • Welche / Wie viele lokale Blogger gibt es?
  • Gibt es in meinem Themenbereich Blogger (deutschlandweit), die ausschließlich dieses Thema beackern?
  • Was kann ich dem einzuladenden Blogger bieten?
  • Welche Blogger spreche ich an?
  • Wie spreche ich die Blogger an?
  • Was muss ich dem Blogger bieten?
  • Wer betreut die anwesenden Blogger wenn Fragen o.ä. auftauchen?

Lokale Bloghelden: Die Recherche wer lokal herumbloggt ist durch, fünf aktive Blogger sind gefunden. Welche der Blogger spreche ich an? Wenn sämtliche Blogs Lokalbezug haben, kann man es m.E. bei allen probieren. Wichtig ist, vorher zu sehen wie aktiv der Blogger aktuell ist, Karteileichen ansprechen ist Quatsch. Ist der Blogger thematisch passend oder schreibt er nur über Herzschmerz, seine Beziehungsdramen und wer mit wem geht? (Nichts gegen solche Blogs, aber als Unternehmen tut man sowohl sich, als auch dem Blogger UND seinen Bloglesern keinen Gefallen damit, wenn er nun auf einmal einen Produktpost verfasst, weil man Ihn besonders toll überzeugt hat.

Bei der Ansprache hilft es ungemein sich die letzten Blogposts anzusehen und sich auf diese beziehend beim Blogger zu melden, möglichst auch gleich mit der Information was beim Event passiert und warum gerade er angesprochen wird.

Hier hilft Sorgfalt, persönliche Ansprache, Authentizität und klare Kommunikation. Verschwurbeltes Firmengeschreibsel und unpersönliche Kommunikation löst beim Ottonormalblogger nämlich allergischen Hautausschlag und nervöses Lidzucken aus. Und das schon innerhalb der drei Sekunden, die er braucht um auf den DELETE Button zu Drücken, der die Email in den digitalen Jagdgründen verschwinden lässt.

Den weit entfernt lebenden aber thematisch, wie die Faust aufs sprichwörtliche Auge, passenden Bloggern muss ich schon sehr geschickt einladen um seine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Reisekosten sollten mindestens übernommen werden und ein besonderes Incentive muss her. Jetzt denkt sich der ein oder andere „der kriegt was zum Verlosen im Blog da kommt der sicher“, da muss ich widersprechen. Was hat der Blogger davon im Blog was zu verlosen? Die Firma, die den Preis stellt hat einen Werbeeffekt, der dem Blogger zuzuschreiben ist. Der Blogger hat, wenn er Pech hat evtl. Leser verärgert durch „Kommerzkacke“. Hier muss man sich also schon genau überlegen ob und wie man den Starblogger ködern kann. Patentrezept gibt es da keines, aber wenn der Blogger seine Brötchen wirklich ausschließlich mit dem Bloggen verdient, ist er evtl. einer Kooperation nicht abgeneigt. Ein Firmenblog schadet unserer Beispielfirma bestimmt nicht. Übrigens freut sich auch der lokale Blogger wenn er mit dem Taxi abgeholt wird und nicht nur seine Zeit mitbringt sondern auch mit dem Gefühl geht er hatte selbst etwas davon beim Firmenevent gewesen zu sein.

Ich sage damit nicht, dass positive Blogbeiträge oder der ganze Blogger käuflich sind. Was ich vermitteln will ist dass Wertschätzung und Respekt beim Verhältnis zum Blogger sehr wichtig sind.

Während der Veranstaltung sollte der Blogger mindestens den Status eines Pressevertreters haben, eher noch etwas mehr Zugang und Betreuung schaden sicher nicht. Blogger stellen ganz gerne auch mal sehr anspruchsvolle Hintergrundfragen. Hier ist die Betreuung wirklich sehr wichtig. Vielleicht lässt sich der Bloggertermin auch komplett von der lokalen Presse entkoppeln. Ja, Blogger sind so wichtig, vielleicht sogar noch wichtiger.

Eine ruhige Ecke zum Livebloggen, inkl. Getränke, Snacks und eine Unmenge an Steckdosen sollte vorhanden sein.

Wenn der Blogger, was natürlich weder garantiert ist, noch eingefordert werden kann, über den Event berichtet, dann kann man das auch gerne auf der Firmenwebseite verlinken. Selbst ein kritischer Blogartikel kann eine tolle Möglichkeit der Kommunikation bieten. Wenn das Unternehmen souverän, menschlich und schnell auf Kritik reagiert ist das eine unwahrscheinlich tolle Möglichkeit als Unternehmen zu glänzen. Das Wort Gegendarstellung hat hiermit nichts im Geringsten zu tun!

Um die lokale Bloggerszene im Auge zu behalten und überhaupt erstmal kennenzulernen lohnt es sich unter Garantie als Verantwortlicher im Unternehmen privat selbst aktiv zu sein. Selbst bloggen und per Twitter zugänglich sein verkürzt die Wege unwahrscheinlich. Auch Onliner treffen sich offline auf ein Koffeinkaltgetränk. Entweder den lokalen Stammtisch mal besuchen oder wenn es noch keinen gibt selbst einen Gründen.

Ich rede aber hier von einem Privatvergnügen, nicht als Firma auftreten und „wir machen jetzt mal“ – Beziehungspflege und Netzwerken, nicht Verkauf, Vertrieb und Absatz sind hier die Stichworte.

Was ich eigentlich sagen will: Gesunder Menschenverstand ist in der Bloggeransprache (und leider generell in der Außenkommunikation vieler Unternehmen) ein sehr unterschätztes Kulturgut.

Ps.: Es kann auch sehr hilfreich sein (einen) lokale(n) Blogger, weit vorab des eigentlichen Events, direkt anzusprechen um im kleinsten Rahmen die Dinge zu besprechen, die man zum Event und zur Bloggeraktivierung geplant hat.